Lieber Goethe,

heute wollte ich über die Grenze nach Italien fahren, aber mein Fahrradlenker war schief, und die Zeit, in der man auf einem Esel rüberreiten konnte, ist wohl vorbei.Mein Lehrer hat uns heute ein Bild von Dir gezeigt, von Deiner Italienreise, und er meinte, Du wärst ein richtiger Lebemann gewesen. Da ich das Wort nicht kannte, habe ich zu Hause meinen Vater gefragt, und der meinte, ein Lebemann ist jemand, der im Hintergrund ein gut laufendes Geschäft hat, das genug Umsatz einbringt, so dass er sich keinen Kopf darum machen muss, wofür er sein Geld ausgibt und wieviel. „Gibt es auch Lebefrauen?“, habe ich ihn gefragt. Er meinte, schon, aber die meisten würden ihr Geld für Gedöns ausgeben, wie Eyeliner und bestickte Handtaschen.Jedenfalls mag ich den Deutschunterricht ‒ viel lieber als Mathe oder Sport. Heute mussten wir in der letzten Stunde die Taue hochklettern. Und Paul, mit dem ich danach noch zusammen den Aufräumdienst hatte, kann einfach den Schnabel nicht halten. Ich war echt genervt nach der Schule. Da habe ich beschlossen, auch nach Italien zu fahren.Bist Du eigentlich wegen der Zikaden nach Italien gereist? Die gibt es doch auch hier. Oder weil es in der Antike dort so schlaue Leute gab, die eine Sonnenfinsternis vorhersagen konnten und so?

Wenn ich doch nochmal nach Italien komme, hoffe ich, dass ich Dich treffe, dann kann ich Dich auch persönlich fragen, warum der Werther sich erschossen hat.

Viele Grüße
Deine Anne

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4 Gedanken zu „Lieber Goethe,“

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